Was tust du, wenn du etwas gefunden hast?

Image by hercegphotography

Es war einmal eine liebe Fusion-Besucherin. Ihr Name war Vinnie. Vinnie hatte ein cooles Portemonnaie, schwarz, mit weißen Totenköpfen drauf und mit einer gefährlichen Kette, die man sich galant an die kaputte Jeans knipsen konnte. Die Kette guckte dann cool unter der schwarzen Strickjacke hervor und gab dem gesamten Outfit so einen schönen harten Look. Nach mehreren Flaschen Bier bemerkte Vinnie, dass die coole Kette nicht wie sonst beim Sitzen störte, weil sie nämlich mitsamt Portemonnaie weg war. Schock! Angstblitze durch den gesamten Körper! Alles weg, Ausweis, Krankenkarte, Führerschein, tausend Mitgliedsausweise, die obligatorischen Rabattkarten für peinliche Geschäfte und auch noch der Organspendeausweis! Nicht zu vergessen die dümmlichen und zerknitterten Fotos von Freunden und dem süßen Häschen zu Hause!

 

Panisch suchte sie mit ihrem besoffenen Arsch zwischen Zelten, Müllbergen, sitzenden Leuten und überhaupt an allen Orten, an denen sie sich bisher befunden hatte. Weinen, Heulen und mitleidiges Wimmern. Doch es nützte alles nichts: Das Portemonnaie blieb verschwunden und mit ihm die 70€, die Vinnie für das gesamte Wochenende eingeplant hatte. Wovon sollte sie sich denn jetzt noch Bier und Zigaretten kaufen? Und überhaupt, wie sollte sie den Zug zurück nach Berlin bezahlen? Ihre Bankkarte war ja dummerweise auch in der Geldbörse! Wie konnte sie auch so dämlich sein und ihr Portemonnaie komplett bestückt und ohne vorher alles aussortiert zu haben mit auf ein Festival nehmen?!

 

Nach erfolglosen Stunden der Suche schleppte sie sich schließlich zum Festival-Fundbüro. Sie berichtete der freundlichen Mitarbeiterin von ihrem großen Verlust, diese suchte nur kurz und gab ihr alsbald schon das heiß geliebte Totenkopf-Portemonnaie wieder. Welch eine Freude! Vinnie jauchzte glücklich auf und öffnete es gleich um zu überprüfen, was alles fehlte.

 

Dann traute sie ihren Augen nicht: Es war ALLES da. All ihre Karten, die peinlichen Fotos UND die gesamten 70€! Der Finder hatte sich keinerlei Finderlohn ausgezahlt, sondern alles abgegeben.

 

Es gibt sie! Die guten und heldenhaften Menschen auf dieser Erde!

 

Und wenn auch du zu diesen heldenhaften und guten Menschen gehören willst, oder es vielleicht schon bist, dann habe ich heute einen Artikel für dich, der dir genau erläutert, was du mit einem gefundenen Portemonnaie oder allgemein Fundgegenständen machen solltest. Tatsächlich ist es so, dass es in Deutschland per Gesetz geregelt ist, wie man mit einem Fund umgeht. Untermalt wird dieser Artikel diesmal mit lustigen Geschichten von Vinnie.

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Allgemeines

Zuallererst ist es wichtig zu erwähnen, dass der Finder verpflichtet ist, den Fund seinem eigentlichen Besitzer anzueignen bzw. abzuliefern! Und das alles innerhalb von 2-3 Tagen.

Ist die Besitzerin aber nicht auffindbar oder unbekannt, muss der Fund entweder bei der zuständigen Behörde (Fundbüro, Bürgeramt) oder bei der Polizei abgegeben werden. Oft ist bei den Behörden aber nicht genug Platz, sodass möglicherweise auch nur notiert wird, dass du den Fund bei dir aufbewahrst. [1] Das gilt vor allem für Fundsachen, die einen Wert von 10€ nicht überschreiten, was bedeutet, dass man nicht wegen jeder gefundenen Kindersocke gleich zum Amt rennen muss. [br16]

Strafen

Wer den Fund nicht meldet, macht sich der Unterschlagung schuldig und wird entweder mit einer netten Geldstrafe oder wenn es ganz hart auf hart kommt mit einer Haftstrafe zur Rechenschaft gezogen. Die rechtmäßige Besitzerin kann noch 30 Jahre nach Fund den Gegenstand zurück verlangen, wenn er nicht gemeldet wurde. Hat der Gegenstand den Wert von 10€ nicht überschritten (und muss deshalb nicht gemeldet werden), muss dieser nach einer Klärung dennoch an die Eigentümerin zurückgegeben werden. [br16]

Belohnungen

Natürlich gibt es auch Rechte für den Finder und ein Fund kann sich in bestimmten Fällen auch lohnen. [2] Meldet sich beispielsweise der Eigentümer 6 Monate nach Anzeigen des Fundes nicht oder er oder sie wurde nicht ausfindig gemacht, wirst du zum rechtmäßigen Eigentümer. [3] Ist der Gegenstand weniger als 10€ wert, beginnt die Frist mit dem Tag des Fundes.

 

Und natürlich gibt es da noch den guten alten Finderlohn! Dieser staffelt sich nach dem Wert der Fundsache. Alles was du im Wert bis 500€ findest, gibt 5% Finderlohn. Alles über 500€ macht 25€ PLUS 3% von dem über 500€ hinausgehenden Wert. [4] Auf einen Finderlohn kann man übrigens auch bestehen und sogar den Gegenstand einbehalten, sollte die Eigentümerin nicht bereit sein, diesen zu bezahlen. [br16]

Spezialitäten

Je nach Fundsache sind noch einmal besondere Dinge zu beachten:

Schlüssel

Schlüsselbünde solltest du schnellstens in einem Fundbüro abgeben. Da der Wert von Schlüsselbünden oftmals sehr schwierig einzuschätzen ist, ist es sinnlos, hier nach 5% Finderlohn zu schreien. Zeitsparend und weniger nervenaufreibend ist es, einfach auf einen Finderlohn zu verzichten oder sich mit dem Eigentümer individuell zu einigen.

 

Eine Geschichte aus Vinnies Leben:

Vinnie stellte von einem Tag auf den anderen fest, dass ihr Schlüsselbund zum Haus ihrer Eltern verloren gegangen war. Natürlich war ihr Vater alles andere als begeistert, denn es handelte sich um einen Schlüsselbund, an dem so gut wie alle Schlüssel des Hauses für Keller, Garage, Haustür und Hofeinfahrt befestigt waren. Er setzte ihr die Frist, den Schlüssel innerhalb von einer Woche zu finden, sonst drohte er, alle Schlösser auszutauschen, die am Haus eingebaut waren. Die Kosten würden ihr dann vom Taschengeld abgezogen. Vinnie suchte 7 Tage lang ohne Erfolg. Konsequent wie ihr Vater war, tauschte er alle Schlösser gewissenhaft aus. Die abgezogene Summe schmerze Vinnie finanziell so sehr, dass sie zukünftig alle ihre Schlüsselbünde mit ihrem Namen, samt Handynummer versah, um potentielle Finder gleich auf die Besitzerin aufmerksam zu machen. Ein Jahr später fand sie ihren Schlüssel übrigens in ihrer Zelttasche wieder.

 

Notiert man am Schlüsselbund beispielsweise Name und Adresse, könnten einige nette Menschen auf die Idee kommen, mit dem Schlüssel ganz easy in die Wohnung einzusteigen. Gibt man Name und Handynummer an, ist diese Gefahr zwar kleiner, aber man kann trotzdem nach einiger Recherche den Wohnort ausfindig machen. Es gibt aber noch eine andere und sicherere Art den Schlüsselbund zu kennzeichnen. Dazu gibt es spezielle Kennzeichnungen, die man sich an den Schlüsselbund hängen kann. Die meisten Anbieter solcher Kennzeichnungen kooperieren mit der deutschen Post, was bedeutet, dass man den Schlüssel mit solchen ID-Nummern oder QR-Codes auch in einen Briefkasten schmeißen kann (steht meistens drauf). [5] 

Tiere

Seltsamerweise werden Tiere im Fundrecht als Gegenstände behandelt und nicht als Lebewesen, d.h. die allgemeinen Regeln für Fundsachen gelten auch für Tiere. Wichtig: Der Finder muss das Tier auch entsprechend versorgen und schnellstmöglich einem Tierheim übergeben. Auch hier gehen nach 6 Monaten die Besitzansprüche auf den Finder über! [br16]

Portemonnaie

Wenn du ein Portemonnaie gefunden hast, kannst du die Kontaktdaten auf diversen Karten leicht erfahren und die Besitzerin kontaktieren. Beliebt ist es beispielsweise auch, einfach alles per Post zurückzuschicken, bedenke aber auch, dass dies nicht der sicherste Weg für die wertvollen Ausweise und Karten ist! Sollte die Besitzerin nicht auffindbar sein, muss die Geldbörse nach spätestens 2-3 Tagen bei den zuständigen Behörden abgegeben werden.

Zum Schluss noch eine Sache

Die erste Geschichte von Vinnie ist tatsächlich so passiert und hätte der Finder damals nicht die 70€ im Portemonnaie gelassen, wäre Vinnie wirklich unglaublich am Arsch gewesen. Ihr ewiger Dank ist dem geheimnisvollen Finder sicher! [6]

 

Daher möchte ich an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass all das Gerede um einen Finderlohn ja gut und schön ist, ich persönlich plädiere jedoch dafür, gefundene Dinge und vor allem Portemonnaies sofort und ohne irgendwelche Finderlöhne abzugeben. Manche nehmen dreist das komplette Geld heraus und schmeißen den Rest einfach weg. Das ist 1. sehr bösartig und 2. würden sich diese Leute auch nicht wünschen, dass so mit ihren Sachen umgegangen wird. Was auch nicht in Ordnung ist, ist sich das komplette Geld aus einem Portemonnaie zu nehmen und dann den Rest mit der Post zu schicken. Diese Menschen beruhigen sich mit dem Gedanken, ja alles doch noch hingeschickt zu haben, dennoch haben Sie dem Eigentümer das komplette Geld aus der Geldbörse genommen, was schlicht und ergreifend Diebstahl ist.

 

Eine Geschichte aus Vinnies Leben:

Vinnie war wieder einmal auf einem Festival und versteckte sich gerade unter einer Plane vor der erbarmungslosen Festivalsonne, als zwei ihrer Freunde vom Festivalgelände zurückkamen. Prahlerisch erzählten sie von einer tollen Sache, die sie gerade erlebt hatten: Dem Fund eines Portemonnaies mit satten 200€ Inhalt. Sie zeigten das Geld herum und erzählten auch, wie sie artig das Portemonnaie im Fundbüro abgegeben hatten. Vinnie war nicht begeistert. Wutentbrannt erzählte sie ihren Freunden von ihrem eigenen Erlebnis auf der Fusion und machte ihnen deutlich klar, dass ihr Verhalten unehrlich und bösartig war. Natürlich waren ihre Freunde von den Schulzuweisungen nicht begeistert und schämten sich die nächsten 45 Minuten.

 

Solltest du also jemals ein Portemonnaie finden, denke an den/die geheimnisvolle/en Portemonnaie-Helden/in auf der Fusion und stärke durch dein Handeln den Glauben der Menschheit an das Gute im Menschen!

 

„Finderglück ist Finderlohn genug.“

(Manfred Hinrich, deutscher Philosoph und Philologe) [ap16]

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Anmerkungen

[1]: In öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf einem Flughafen muss der Fund übrigens beim zuständigen Betreiber abgegeben werden. [br16]

[2]: Als Finder gilt man übrigens nur dann, wenn man den gefunden Gegenstand in seinen Besitz nimmt. Lässt man ihn liegen oder legt den Gegenstand wieder zurück, gilt man nicht als Finder. [br16]

[3]: Verzichtet man als Finder von vorneherein auf den Gegenstand oder holt es nach 6 Monaten nicht ab, geht der Besitz auf die Stadt über und wird versteigert. [br16]

[4]: Die Finderlohn-Regelung gilt allerding nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln! Dort gibt es nur den halben Finderlohn und dass auch nur ab einem Wert von 50€. [br16]

[5]: Ein Anbieter solcher Kennzeichnungen für Schlüsselbünde ist beispielsweise www.BringmeBack.com

[5]: Übrigens ist es auf Festivals normal, dass man den Finder nicht namentlich erfährt. 

Quellenverzeichnis

[br16]: BringMeBack: „Ich habe etwas gefunden- und jetzt?“ Website, Stand: 26.10.2016. URL: http://de.bringmeback.com/Fundrecht-in-Deutschland

[ap16]: Aphorismen: “Finderlohn“. Website, Stand: 26.10.2016. URL: https://www.aphorismen.de/suche?text=finderlohn&autor_quelle=&thema=

Text: Herr LÿÐmann*

Bildmaterial: hercegphotography**

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